Ehem. Batthyány-Palais, Herrengasse Nr. 19, 1010 Wien

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Das ehemalige Palais Batthyány, heute Redaktionssitz der Tageszeitung ‚Der Standard’, ist Teil eines dreiteiligen Palais-Komplexes aus ursprünglich älterer Bausubstanz. 1692-97 durch Schenkung Leopolds I. in den Besitz von Wolfgang Andreas Graf Orsini-Rosenberg übergegangen und zum Palais umgebaut, wurde es 1716 um zwei bereits bestehende, angrenzende Häuser erweitert. 1718 erwarb Eleonore Gräfin von Batthyány die gesamte Gebäudeanlage und beauftragte den kaiserlichen Baumeister Christian Alexander Oedtl mit der Umgestaltung des Mittleren der drei Bauten sowie der Neufassadierung der Nebengebäude.
Prunkstück des sich über Bank- und Herrengasse erstreckenden Palais Batthyány ist die auf einen Entwurf von Johann Fischer von Erlach zurückgehende, repräsentative Portalanlage.
Das Rundbogenmotiv mit konvex hervortretendem Balkon und Schmiedeeisengeländer, der gesprengte Giebel mit Wappenkartusche und Krone des Fürstenhauses Batthyány heben die als eigentlich untergeordnet geplante Fassade in Richtung Herrengasse prominent hervor. An der Beletage findet sich an den Sturzfeldern und Parapeten der noch aus der Umbauzeit um 1718 stammende Bandelwerkstuck.
Der Auftrag an die Firma Denkmalpflege GmbH sah die Restaurierung der sich im allgemein schlechten Zustand befindenden Stuck- und Steinteile vor. Dazu gehörten die Fassaden inkl. Architekturgliederung an Bank- und Herrengasse, der Sockelbereich und die Portalanlage samt figuraler und architektonischer Elemente.
Negativ ausgewirkt hatten sich neben den üblichen Verschmutzungen und witterungsbedingten Versinterungen vor allem vorangegangene Restaurierungen, die einen massiven Eingriff in die historische Bausubstanz darstellten und einen Großteil der ursprünglichen Putz- und Farbfassungen sowie Stuck- und Steinteile betrafen. Besonders die Erdgeschoßzone war bis auf Höhe der Nutung mehrmals überarbeitet worden, sodass der Altputzbestand nicht mehr vollständig rekonstruierbar war.
Großflächige Überriebe mit zu harter, zementgebundener Mörtelmasse, welche als Schutz- und Fixierungsmaßnahmen gedacht waren, und ein abschließender Anstrich mit hohem Dispersionsanteil und dadurch diffusionssperrender Wirkung begünstigten neben Rissbildungen auch das Abschollen der Farbschicht und den damit einhergehenden Befall von biogenem Bewuchs.
Nach der Vorfestigung von Kalksandsteinteilen und Bandelwerkstuck mittels Kieselsäure-Ethylester-Flutung erfolgte die Reinigung und teilweise manuelle Freilegung aller Stein- und Stuckteile unter Einsatz von Kleinwerkzeugen. Ergänzungsarbeiten wurden lediglich an bedeutenden, formgebenden Fehlstellen vorgenommen, wie etwa an Stuckornamenten von  Beletage und zweitem Obergeschoss sowie einzelnen Portalelementen.
Die Sockelverplattungen mussten aufgrund ihres schlechten Zustandes teilweise ersetzt werden. Rücksicht nehmend auf die Materialkonformität kam bei der Rekonstruktion der Steinvierungen Leithakalk aus Altbeständen zur Anwendung.
Umfangreichere Instandsetzungsmaßnahmen benötigte Fischer von Erlachs Portalanlage. Die flankierenden, aus Stein gefertigten Trophäen zeigten starke Verschmutzungen, Versinterungen, sowie Fehlstellen und großflächigen Flechtenbewuchs. Nach Reinigung der Steinelemente mittels druckgemindertem Dampfstrahl und notwendigen Ergänzungen mithilfe angeglichener Steinergänzungsmassen wurden diese mit pigmentierter, einlagiger Kalkschlämme gefasst. Statische Mängel im Bereich der Portalzone erforderten zudem den Einsatz von gedrehten Nirostastahl-Bewehrungen. An den Vergoldungen der Steinteile am Portalbereich wie auch an den vergoldeten Metallaufsätzen der Trophäen-Attribute konnten Abwitterungen und größere Fehlstellen festgestellt werden. Sämtliche Metallattribute mussten daher abgebaut und im Atelier gereinigt, entrostet, mit einer Kunstharzgrundierung versehen und neuvergoldet werden. Fehlende oder unpassende Teile wurden entsprechend historischer Vorbilder in Kupferblech nachgetrieben. In gleicher Weise wurde mit den partiell vergoldeten Blattwerk-Elementen des schmiedeeisernen Balkongitters verfahren.


Projektdaten:

Adresse: 1010 Wien, Herrengasse 19
Leistung: Leistung: Restaurierung der Fassade inkl. Portal und Aufbauten, Fensterumrahmung und Sockelverplattung
Leistungszeitraum: Juli – Oktober 2010

Fotodokumentation:

Zustand vor der Restaurierung
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Zustand nach der Restaurierung
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Letzte Aktualisierung: 13.02.2017   Impressum  ©2017 Denkmalpflege GmbH & Mag. Klaus Wedenig Restaurierung Konservierung