Hofburg, Augustinerhof, Loretokapelle, 1010 Wien

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Ausgehend von der Legende der Casa Santa, wonach jenes das Wohnhaus der Hl. Maria sei, erhielt die Kapelle ihren Namen vom gleichnamigen Wallfahrtsort bei Ancona (IT). 1627 wurde auf Wunsch von Eleonore Augusta, der Gattin Kaiser Friedrichs II., die Loretokapelle im Seitenschiff der Augustinerkirche situiert, diese jedoch 1784 nach Plänen von Johann Ferdinand v. Hetzendorf von ebendort in den Vorraum der im Westen anschließenden, 1341 geweihten Georgskapelle übertragen. Die Loretokapelle befindet sich seither im Hofburgtrakt an der Südfassade des Augustinerhofes, zwischen Augustinerkirche im Osten und daran anschließender Georgskapelle.


Bei einer Fassadenrestaurierung in den 1960er Jahren stieß man an der Südfassade des Augustinerhofes auf Mauerreste des dort von 1330 -1837 (seit 1951 wieder in situ) ansässigen Augustiner-Klosters: Die freigelegten, gotischen Spitzarkadenbögen erwiesen sich als Teil des ehemaligen Klosterkreuzganges.
Im Sommer 2011 sollte die Südfassade aufgrund großflächiger Fehlstellen an den Stein- und Putzoberflächen neuerlich restauriert werden. Neben den Schäden, die zumindest teilweise auf voran gegangene Restaurierungen zurückzuführen sind, wurden zahlreiche in Material und Farbe unpassenden Ergänzungen und Überputzungen vorgefunden. Daher war es vordergründig die Aufgabe, besondere Sorgfalt sowohl in Bezug auf die historische Bausubstanz als auch in kultur-historischer Hinsicht walten zu lassen. Neben der Außenfassade waren auch die Spitzbögen und Stützpfeiler im Innenraum der Loretokapelle wesentlicher Bestandteil der Restaurierungsarbeiten.


Im 17. Jh. wurden den Arkadenbögen erstmals Fenstergewände eingestellt. Die rezenten Gewände aus der Restaurierungsphase der 1990er Jahre wurden nun entfernt, um den Arkadenbögen ihr ursprüngliches Erscheinungsbild zurück zu geben. Durch die Freilegung und Öffnung der Arkatur erhielten auch die tonnengewölbten Spitzkappen im Inneren ein stimmiges, dem ursprünglichen Bestand angepasstes Bild.
Zwei schmale, profilierte Fenstergewände im 1. Obergeschoss erfuhren eine partielle Freilegung. Von eventuellen Rekonstruktionen wurde aber bewusst Abstand genommen.
Das Freilegen der historischen Putz- und Steinoberflächen erfolgte vorwiegend manuell, mithilfe von Feinwerkzeugen wie Spachtel, Skalpell und Glasradierer. Sofern der gotische Bestand  nicht vorrangig zu behandeln war, wurden  Interventionen aus der Renaissance- und Barockzeit nicht entfernt.
Nach Freilegung der historischen Wandoberflächen war das Festigen der gefährdeten Putz- und Malschichten mittels wiederholtem Auftrag von Kalk-Sinterwasser erforderlich. Die zeitlich unterschiedlich einzuordnenden Putze, hohl liegende Stellen und Risse wurden jeweils einlagig mit materialadäquatem Kalkmörtel gesichert bzw. hinterfüllt, Ziegeloberflächen mit dünnem Kalkmörtelpatschok ausgeglichen.
Ein Arkaden-Innengewände musste laut DI Dr. techn. Anton Pech aus statischen Gründen mit Hilfe von Nirosta-Gewindestangen vernadelt werden. Notwendige Steinergänzungen erfolgten mit mineralischem Steinergänzungsmörtel. Abschließend wurden, sofern erforderlich, Retuschen in Form von Kalk- und Aquarelllasuren analog zum Bestand durchgeführt. Zur Schließung der 2 Arkadenöffnungen wurden satinierte Verglasungen gewählt, welche von außen kommend das Gefühl von Offenheit, und dem Besucher im Innenraum geschützte Intimität gleichermaßen vermittelt.


Projektdaten:

Adresse: Hofburg – Augustinerhof, Augustinerstr. 3, 1010 Wien
Leistung: Restaurierung der gotischen Spitzbögen, Fassade und Raumschale. Freilegung, partielle Ergänzung und Sicherung der historischen Wandoberfläche und Arkatur, Verglasung der Öffnungen.
Leistungszeitraum:   Juni – September 2011


Fotodokumentation:

Zustand vor der Restaurierung
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Restaurierung
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Zustand nach der Restaurierung
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Letzte Aktualisierung: 13.02.2017   Impressum  ©2017 Denkmalpflege GmbH & Mag. Klaus Wedenig Restaurierung Konservierung