Wiener Zentralfriedhof, 1110 Wien

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1866 beschloss die Stadtverwaltung aufgrund der Auslastung der 5 innerstädtischen Friedhöfe die Errichtung des Wr. Zentralfriedhofes nach Plänen von Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli. Nach seiner Einweihung im Jahr 1877 wurde der Friedhof insgesamt 7x erweitert, zuletzt 1921. Das Areal mit einer Größe von 2,5 km²  ist Ort für Grabstätten sämtlicher Weltreligionen, die über jeweils eigene Abteilungen verfügen. Als ein Spezifikum gelten die rund 1.000 Ehrengräber, die einem beachtlichen Querschnitt von berühmten Persönlichkeiten wie etwa Tina Blau, Ludwig Hevesi, Ludwig v. Beethoven, Arnold Schönberg, Franz Grillparzer, Heimito v. Doderer oder Bruno Kreisky die letzte Ruhestätte bieten.
Die MA 34 der Stadt Wien (Abtlg. Bau- und Gebäudemanagement) beauftragte die Denkmalpflege GmbH mit der Restaurierung von 10 Ehrengräbern am Tor 1 der Alten Israelitischen Abteilung, welche von der  Wiener Israelitischen Kultusgemeinde in Eigenverwaltung betrieben wird. Das Gelände am Tor 1 war 1887-1916 aktiv, nach Erreichung der Kapazitätsgrenze kam es zum Grundstückzukauf der Neuen Israelitische Abteilung im Tor 4 (1917 – heute).
Die Schäden der zu restaurierenden Grabstätten am Alten Israelitischen Friedhof (Tor 1) reichten betreffend Grabsteine und -platten von Standfestigkeitsmängel, Versinterungen, starkem organischem Bewuchs, Verschmutzung und Verwitterungen bis hin zu Steinausbrüchen und Fugenöffnungen. Weiters wurden Abwitterungen an den Inschriften, Korrosionen an Grabumgitterungen und Metallverklammerungen festgestellt. Das Grabsteinmaterial bestand großteils aus unterschiedlichen Granit- oder Kalksteinsorten und Marmorarten wie Carrara oder Laaser Marmor.
Nach der an den Grabsteinen sehr häufig erstellten Diagnose von Moos-, Algen- und Flechtenbewuchs erfolgte dessen Entfernung und Behandlung mittels Antimoos und anschließender Reinigung durch Wasser. Je nach Beschaffenheit und Schadenszustand des Steines erhielten die Oberflächen danach entweder eine Reinigung durch Naturfaserbürsten (bei schwarzem Granit und tw. Marmor) oder eine Kaltwasserstrahl- bzw. Mikrosandstrahlreinigung mittels Aluminiumsilikat oder Kalzitpudermehl (bei Kalksteinarten), die die Oberfläche für weitere Behandlungsschritte vorbereitete. Abschließend wurde der jeweilige Stein bedarfsabhängig konserviert: Marmorsteine erhielten eine hydrophobische Behandlung und Imprägnierung mittels Paraloid (B72 5% + 2% Hydrophobierung), glatte Granitoberflächen wurden mit mikrokristallinem Wachs behandelt.
Abbrüche, Kantenabstoßungen, Fehlstellen und offene Fugen wurden mit farblich angepassten Steinergänzungsmassen gekittet und geschlossen, partiell notwendige Vernadelungen oder Bewehrungen erfolgten mittels Einsatz von Nirosta-Spiralanker.
Weiters wurden die Grabsteine auf ihre Standfestigkeit überprüft und, sofern erforderlich, Fundamentsicherungen durchgeführt. Die vorgefundenen Setzungen der Grabinschriften zeigten entweder angefertigte Metalllettern oder Steingravuren. Teilweise fehlten einzelne Lettern, diese wurden nachgeformt und eingesetzt. Gravierte Inschriften erhielten nach voran gegangener Reinigung eine Aquarellfarbfassung zur besseren Lesbarkeit, bei Auffinden von Goldresten erfolgte eine Neuvergoldung auf Ölgrund mit 23-karätigem Blattgold. Korrodierte Metallgitter-Grabumfriedungen wurden gereinigt, grundiert und mit Ölfarbe bestrichen.
Als erwähnenswert gilt hierbei eine aus Schmiedeeisen und Messing gestaltete Grabumgitterung mit Ginkgo-Blattformen und Vierpaß-Motiv am Grab des Verstorbenen Moritz Königswarter. Die Schmiedeeisen-Arbeit hebt sich in seiner Gestaltung ästhetisch besonders durch seine detailreiche und liebevolle Ausarbeitung wie auch vielfältige, feingliederige Ornamentik hervor. Die durchgeführten Maßnahmen an diesem Objekt betrafen zunächst die Korrosionsbeseitigung mittels feiner Bürsten an den aus Messing gefertigten Blättern und Aufsätzen. Vor der Mikrosandstrahl-Behandlung des schmiedeeisernen Gitters wurden die Messingteile abgeklebt um diese zu schützen. Abschließend erfolgte das Grundieren und Streichen mit schwarzer Ölfarbe.


Projektdaten: Ehrengräber, Alter Israelitischer Friedhof, Tor 1.

Adresse: Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstr. 232-246, 1110 Wien
Ehrengräber, Alter Israelitischer Friedhof, Tor 1.
Leistung: Restaurierung von 10 Ehrengräbern. Statische Sicherung, Reinigung, Ergänzung und Konservierung der Grabsteine, Neuvergoldung und Ergänzung der Inschriften. Restaurierung von Grabumgitterungen.
Leistungszeitraum:   Juli 2010 – September 2011


Fotodokumentation:

Gruppe 52A/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 17
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 52A/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 64
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 49/Grabstelle Reihe 16/Grabnummer 02
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 5B/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 07
Zustand vor, während und nach der Restaurierung
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Gruppe 19/Grabstelle Reihe 26/Grabnummer 34
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 52A/Grabstelle Reihe 14/Grabnummer 57
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 52A/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 22
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 52A/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 20
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 20/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 25
Zustand vor und nach der Restaurierung
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Gruppe 5B/Grabstelle Reihe 01/Grabnummer 01
Zustand vor, während und nach der Restaurierung
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Letzte Aktualisierung: 13.02.2017   Impressum  ©2017 Denkmalpflege GmbH & Mag. Klaus Wedenig Restaurierung Konservierung