Die Museen am Maria-Theresien-Platz

Das Naturhistorische Museum und das Kunsthistorische Museum entstanden als Teil des konzipierten „Kaiserforums“, welches aber nicht vollständig realisiert wurde. Sie sind spiegelbildlich und von gleicher Dimension angelegt. Zehn Jahre nach Baubeginn im Jahr 1871 war das Äußere des Gebäudes weitgehend fertiggestellt, doch die aufwendige Innenausstattung nahm weitere zehn Jahre in Anspruch. Die feierliche Eröffnung durch Kaiser Franz Joseph erfolgte im Jahr 1891. Seit dem Jahr 2000 restauriert unsere Firma laufend verschiedene Bauabschnitte beider Museen.

 

Seit über 20 Jahren verlässliche Arbeit für die BHÖ

Die Dimension, Baukörperverteilung sowie architektonische Instrumentierung der beiden Museen stimmen völlig überein. Damit soll die völlige Gleichgewichtung von Natur und Kunst zum Ausdruck gebracht werden. Nur die ikonographischen Programme der dekorativen Ausstattung unterscheiden sich deutlich voneinander. Fassadenplastik und Innendekor nehmen jeweils auf Bestimmung und Inhalt des Gebäudes Bezug.

 

Im Fall des Naturhistorischen Museums sollen die geschichtliche Entwicklung der Naturerkenntnis und die Erschließung des Kosmos versinnbildlicht werden. Statuen wie auch Porträtköpfe sind chronologisch angeordnet, beim Altertum am linken Eckrisalit der Rückseite des Museums beginnend bis hin zur Schmalseite an der Ringstraße, die mit der Neuzeit endet. Beim Kunsthistorischen Museum sollen die verschiedenen Gattungen sowie die wichtigsten Epochen der Kunst versinnbildlicht werden. Auch hier ist das Programm chronologisch aufgebaut.

Besondere Objekte erfordern besondere Bearbeitungsmethoden

An den Fassaden des Naturhistorischen als auch des Kunsthistorischen Museums wurden Vierungen, Kunststeinergänzungen und Verfugungen vorgefunden, welche vermutlich von Restaurierungsarbeiten aus den 1920er oder 1930er Jahren stammen. 1945 trafen das Kunsthistorische Museum mehrere Bomben. Die Dachgleiche erfolgte sehr rasch nach der Zerstörung, aber die Rekonstruktion der Fassade und des Skulpturenschmucks nahm einige Jahre in Anspruch. Einige Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg wurden bei späteren Reparaturen der Museen nicht entfernt. Es wurden Fremdteile jeglicher Art wie Schrauben, Dübel, alte Befestigungsmittel sowie Eisensplitter (Überreste von Explosionsgeschossen) gefunden. Bei den späteren Reparaturen wurden falsche und unpassende Materialien auf Grauzementbasis benutzt, was viele Schäden nach sich zog wie etwa: mürbes Steinmaterial, Schalenbildung, abgeplatzte Steinbereiche und Risse.

 

Die Fassaden der Museen waren stark verschmutzt, wiesen Wasserschäden durch schadhafte oder fehlende Verblechungen auf, und in den oberen Geschossen war die Absandung der Oberflächen teilweise bis zum totalen Formverlust fortgeschritten. An statisch exponierten Bereichen (Fensterscheitel, Gebälk) zeigten sich verstärkt Krakeel-Bildungen und Risse. Die Attikabalustrade inkl. der Figuren aus Afflenzer Kalksandstein waren in schlechtem Zustand.

 

Nicht alle Zierteile mit großen Fehlstellen wurden durch Natursteinvierungen ersetzt. Sie wurden stattdessen in Kunststein nachgegossen. Manche Kapitelle wurden auch mit Kunststeinmörtel ergänzt. Ähnlich wie die gesamte Fassade waren auch Skulpturen und Reliefs aus Kalkstein stark verschmutzt, bis in den cm-Bereich rückgewittert und an den regenabgewandten Stellen versintert. Mithilfe der originalen Gipsmodelle, welche sich im Keller der Hofburg befinden, konnte das linke Bein des Theseus am rechten Figurentondo am Kunsthistorischen Museum rekonstruiert werden. Die Figur des Nicolaus Jacquin am Naturhistorischen Museum war von allen Attikafiguren so stark angegriffen, sodass eine Kopie erstellt wurde. Die originale Figur ist im Keller der Hofburg eingelagert.

Dem Reiche der Natur und seiner Erforschung

Die Konzepte der verschiedenen Restaurierungsetappen beider Museen ähneln sich stark und konnten durch die gewonnenen Erkenntnisse bei bereits durchgeführten Restaurierungsarbeiten und chemischen Analysen schnell angepasst werden.

 

 

Die dicken Sinterkrusten wurden auch in den tieferliegenden Bereichen mit Mikrosandstrahl- oder auch Ultraschallgeräten entfernt. Bis zur Unkenntlichkeit korrodierte Architektur- oder Zierteile konnten nicht mehr durch Natursteinvierungen ergänzt werden, u.a. aus statischen Gründen. Die betroffenen Stellen wurden daher in Kunststein nachgegossen. Manche Teilbereiche davon wurden mithilfe von Gussteilen rekonstruiert.

 

 

Für die ausgeführten Natursteinvierungen wurden hauptsächlich istrische Kalksteine, kroatischer Kalkstein aus Brac (für die Baluster), Kalksandsteine vom Typ „Vicenza“ (für profilierte Vierungen im Bereich der Gesimse und Fenstergewände) sowie der bosnische „Bihacit“ (für feingliedrige Elemente) verwendet. Sämtliche restaurierte Figuren, v.a. die der Attikabalustrade, und Gussteile wurden dann mit Gewindestangen aus Nirostastahl gesichert, nachdem sie in ein Mörtelbett aus flexiblem Mörtel versetzt wurden. Diese Gewindestangen wurden mit Zweikomponenten-Klebeharz im Bestand verklebt.

Die Farbigkeit der auf Oberflächen aus Sandstein aufgetragenen Schlämme wurde dem Steinmaterial angepasst, wobei sechs verschiedene Farbtöne eingesetzt wurden, um den Aufbau des Mauerwerks aus Steinquadern auch farblich sichtbar zu machen und so einen optisch „lebendigeren“ Gesamteindruck des gestrichenen Fassadenabschnitts zu erzielen. Einzelne Ergänzungen im Sockelbereich wurden nach Abschluss der Ergänzungsarbeiten mit Aquarellfarben retuschiert, um eine Farbangleichung an die umgebende Steinfarbigkeit zu erzielen.